Ein Soldat, der alle Feldzüge unter Napoleon erlebte, ist deshalb noch kein guter Stratege.

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Das bloße Durchlaufen eines Ereignisses reicht laut Friedrich dem Großen folglich nicht aus, um die darin bestrittene Disziplin zu meistern[1]. Die reine Mitarbeit bei Startups macht aus einem Angestellten demnach noch keinen großartigen Unternehmer. Wie gelingt es jedoch, das Meiste aus dem Erlebten mitzunehmen und lassen sich diese Learnings überhaupt auf neue Situationen übertragen? 

Ich treffe als Direktor eines Startup-Centers und als Hochschuldozent mit Schwerpunkt auf Innovation berufsbedingt viele UnternehmerInnen und ManagerInnen. Über die Jahre und unzählige Gespräche hinweg ist mir dabei eines aufgefallen: Nur wer Erlebtes kritisch reflektiert, Zusammenhänge und Muster erkennt, kann daraus Nutzen für die Zukunft ziehen. Über Erlebtes zu reflektieren kann anstrengend sein. Etwaige negative Situationen müssen erneut durchlebt werden. Es benötigt außerdem Zeit, um darüber nachzudenken. Gerade in unserer stressigen und schnelllebigen Welt hat Reflexion daher wenig Platz. 

Wann hast Du Dir das letzte Mal Zeit genommen über Deinen Tag oder ausgewählte Ereignisse zu reflektieren?

Und rechnet sich dieser Aufwand überhaupt? Können Learnings aus einer Situation auf eine andere übertragen werden? Für die Antwort ist eine differenzierte Betrachtung notwendig. Es gibt meist keine allgemein gültigen Lösungen für die Erstellung eines Schlachtplans zur Realisierung einer spezifischen Geschäftsidee. Aber es gibt Logiken, Methoden, Grundsätze, die von Nutzen sein und angewandt werden können. Diese gilt es jedoch zu kennen, sonst können sie nicht zum Einsatz kommen. Auf der Suche nach Erkenntnissen, die bei der Entwicklung eines Schlachtplans hilfreich sind, greife ich einerseits auf meine eigenen Erfahrungswerte als Entrepreneur und Coach zahlreicher Startups und andererseits auf das gesamte Spektrum der betriebswirtschaftlichen Literatur zurück. Des Weiteren bin ich der Meinung, dass inhaltliche Vielfalt und unterschiedliche Perspektiven bereichernd sind. Daher möchte ich den Blick über den Tellerrand wagen und von anderen Disziplinen und deren Logiken, Methoden, Grundsätzen lernen. Auch im Sport oder Militär gilt es, mit gegebenen Ressourcen gewisse Ziele zu erreichen. Um von einem IST- in einen SOLL-Zustand zu gelangen, bedarf es eines Schlachtplans, ein „Wie?“ muss entwickelt werden. 

Im militärischen Kontext ist jede Schlacht anders. 

Dennoch beschreibt bereits Sunzi (450BC) konkrete Grundsätze zur Planung eines Gefechts. Auch Clausewitz (1832) beschreibt diverse Grundsätze, die im Gefecht hilfreich sein sollen. Er geht aber nicht davon aus, dass diese für alle Situationen gültig sind, fügt aber dazu, dass Handelnde diese Grundsätze kennen sollten, da sie einen gewissen Nutzen stiften, wenn anwendbar. Eine bessere Kenntnis der Kriegskunst erhöht nach Clausewitz (1805) die Planbarkeit und verringert den Zufall. Es gibt auch gewisse Logiken, deren Kenntnis die Erfolgswahrscheinlichkeit von Startups erhöhen, jedoch niemals garantieren, können. Eine gewisse Kenntnis der Startup-bzw. Innovationskunst ist demnach analog zu Clausewitz von Vorteil. Überlegungen von Autoren wie Clausewitz oder Sunzi werde ich in späteren Beiträgen vorstellen.

Auf meinem Blog ThomasMetzler.io entwickle ich Ansätze, welche Entre- und Intrapreneure dabei unterstützen, ihre innovativen Geschäftsideen erfolgreich umzusetzen. Inhaltlich werde ich dabei den Blick über den Tellerrand wagen und versuchen aus anderen Disziplinen – wie Militär und Sport – zu lernen und Analogien für die GründerInnen und Innovatoren zu ziehen. Z.B. wie ist Alexander der Große vorgegangen, als er die kriegsentscheidende Schlacht von Gaugamela plante? Welche Variablen berücksichtigte er? Wie sah sein Schlachtplan aus? Und können wir als Innovatoren etwas von seiner Vorgehensweise lernen? Wie planen wir unsere Schlachten? 

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[1] Zitat im Titel in Anlehnung an Antoine Henri Jomini (1779-1869). Dieser zitiert Friedrich den Großen in „Précis de l’art de la guerre“ (1836/37), im Original: „Ein Maulesel, welcher zwanzig Feldzüge unter dem Prinzen Eugen mitgemacht, ist deshalb kein guter Taktiker.“  Für die Zwecke des Artikels angepasst.



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